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Hubschrauberpilot rettet eingebrochenen Eisläufer

2012-02-11 17:23 von Redaktion

Dramatische Rettung am Flückigersee in Betzenhausen: Ein Mann läuft am Donnerstagabend Schlittschuh – auf einer stellenweise nur drei bis neun Zentimeter dicken Eisschicht. Das Schild am Ufer hat der 55-Jährige ignoriert: "Eisfläche gesperrt! Lebensgefahr". Allein der Waldsee ist derzeit in Freiburg für Schlittschuhläufer freigegeben. Davon unbeeindruckt, dreht der Mann seine Runden. In der Mitte des Sees knackt es, kracht es – der Mann bricht ein.

Um 17.31 Uhr gehen mehrere Notrufe bei der Integrierten Leitstelle ein. Feuerwehr und Notarzt rücken aus und am Flugplatz hebt der Rettungshubschrauber "Christoph54" ab. Dessen Besatzung ist trotz einsetzender Dämmerung noch verfügbar. Fünf Minuten später, und sie hätte sich in den Feierabend verabschiedet. Bei Dunkelheit hat sie keine Bereitschaft

Keine Winde an Bord

Werner Reichel, seit 18 Jahren Stationsleiter der DRF-Rettung, steuert den Hubschrauber Richtung Südwest. Binnen weniger Minuten ist er über dem See. "Von oben habe ich schnell das Loch im Eis gesichtet, der Eingebrochene ruderte mit den Armen", so Reichel. Binnen Sekunden muss der 65-Jährige eine wichtige Entscheidung treffen. Soll er auf die Feuerwehr warten, oder aus der Luft versuchen, den Mann zu retten? Den Mann, der seit Minuten in dem zwei bis vier Grad kalten Wasser mit vollgesogenen Kleidern und Schlittschuhen an den Füßen um sein Leben kämpft. "Da zählte jede Sekunde." Also wagt Reichel ein riskantes Manöver, bringt seinen Hubschrauber sanft nach unten. Eine Rettung mit Winde ist ausgeschlossen, "Christoph54" hat keine an Bord.

Millimeter für Millimeter schiebt Reichel den Viertonner an den Eingebrochenen heran, "wohl wissend, dass das für ihn auch eine Gefahr darstellt". Denn die durch den Rotor gesaugte Luft peitscht das Wasser auf, drückt die Luft weg. "Ich habe gesehen, dass er nach Atem rang." Doch Reichel hat keine Wahl. Seine Crew, der der Pilot blind vertraut, lotst ihn nur wenige Zentimeter über dem Eis über das Loch. Dort kann sich der Eingebrochene am Rand über Wasser halten, greift nach der Kufe und klammert sich mit letzter Kraft fest. Notarzt Folker Friedmann und ein Hospitant der Leitstelle bekommen den 55-Jährigen über die offene Seitentüre zu fassen, ziehen ihn nach oben, halten ihn fest. Da ist es 17.36 Uhr.

Gefährlicher Einsatz auch für die Hubschrauber-Crew

Vom Bürgerhaus nähert sich der Krankenwagen. In "Bierflaschenhöhe" lenkt Reichel den Hubschrauber ans Ufer und landet. Sofort wird der 55-Jährige in die Uniklinik gebracht. In Lebensgefahr schwebte er der Polizei zufolge nicht. Die Kosten für den Einsatz von Hubschrauber, vier Feuerwehrwagen und 12 Mann wird er aber nach Auskunft der Stadt wohl nicht übernehmen müssen – trotz seines fahrlässigen Verhaltens.

Dabei hätte der Einsatz ganz anders ausgehen können, wäre mehr Fläche frei von Eis gewesen. "Kleine Eisschollen und das Wasser hätten dem Rotor gefährlich werden können", erläutert Reichel. "Dann bringt man sich selbst in Gefahr – bis hin zum Absturz." In seinen 43 Jahren als Pilot hat Reichel keinen vergleichbaren Einsatz erlebt. "Das war Teamarbeit und für den Eingebrochenen die allerletzte Chance." Als Held sieht sich der 65-Jährige, der in Müllheim lebt, nicht. Flugexperten bewerten sein Manöver als äußerst schwierig. "Nun ja", gibt Reichel zu. "Jemand mit weniger Erfahrung hätte das wohl nicht hinbekommen."

Quelle & Interview Badische Zeitung

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