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2011-03-17 10:17 von Redaktion
2011-09-30 08:18 von Redaktion
Prenzlau: Das Kerngeschäftsfeld des DRK, der Rettungsdienst, geht am heutigen Tag - drei Monate eher als ursprünglich vorgesehen - an den Landkreis Uckermark über. Durch die Kommunalisierung umgeht man hierzulande die europaweite Neuausschreibung, die nach europäischem Recht zwingend notwendig geworden wäre. Unser Redaktionsmitglied Claudia Marsal sprach dazu mit Carmen Drath, Geschäftsführerin des DRK-Kreisverbandes Uckermark-West.
Sie verlieren heute auf Schlag 80 Mitarbeiter und eine Branche, die seit fast60 Jahren mit Ihrem Wohlfahrtsverband gleichgesetzt wird. Wie ist die Stimmung ?
Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich eine Verfechterin der Ausschreibungsvariante war. Als Ende 2009 die Diskussion darüber begann, war ich selbstbewusst genug zu behaupten, dass wir als DRK gute Chancen gehabt hätten. Wir sind sowohl fachlich als auch wirtschaftlich überaus gut aufgestellt und seit 1952 mit der Materie be- und vertraut. Uns auszubooten wäre schwer gewesen...Dass sich der Landkreis für den anderen Weg entschieden hat, habe ich akzeptieren gelernt.
Sie hadern immer noch damit?
Ich sage mir jetzt, das war ein objektiver Vorgang und ich habe damit umzugehen gelernt.
Leicht fällt das trotzdem nicht?
Natürlich nicht, schließlich habe ich den Rettungsdienst des DRK nach der Wende mit aufgebaut. Ich erinnere mich noch, wie stolz wir waren, als wir am 20. Juli 1990 die Urkunde über die Vergabe des Rettungsauftrages der Kreisverwaltung in Empfang nehmen durften. Und seitdem hat es schließlich nie Beanstandungen gegeben, weder vom Landkreis noch von den zertifizierenden Stellen. Ende August 2011 ist uns mit der Rezertifizierung erst ganz aktuell wieder bescheinigt worden, dass wir bestens aufgestellt sind. Nun gut, davon wird jetzt auch das neue Unternehmen, die kreiseigene Uckermärkische Rettungsdienstgesellschaft, profitieren.
Dieser stehen Sie nicht vor?
Nein, ich bleibe Geschäftsführerin des DRK-Kreisverbandes Uckermark-West. In der neuen Gesellschaft hat Andreas Linde künftig die Regie. Darüber sind sowohl die Kollegen des Rettungsdienstes als auch meine Person froh.
Warum?
Weil das ein gestandener Mann aus der Praxis ist, der was vom Fach versteht. Andreas Linde war lange DRK-Wachenleiter in Lychen, weiß also, was an der Basis los ist.
Sollte der Übergang nicht erst zum 1. Januar 2012 geschehen?
Ja, aber der Kreis hat uns gebeten, einem vorzeitigen Wechsel zuzustimmen. Unsere sieben Rettungswachen aus der Region Prenzlau/Templin wechseln zum 1. Oktober, die restlichen fünf aus der Ost-Uckermark, die dem dortigen Kreisverband zugeordnet sind, folgen im neuen Jahr. So hat man quasi eine dreimonatige Testphase mit kleiner Besetzung als "Probelauf".
Was wird der Patient von dem Ganzen merken?
Ich denke mal, nichts. Das Personal bleibt das gleiche, die Technik auch, nur das Kreuz wird als Logo heute weichen müssen.
Wieso das?
Weil das ein geschütztes Zeichen ist, welches unter anderem dem DRK zur Nutzung obliegt.
Was ist mit den Arbeitsverträgen? Haben die Bestand?
Laut Betriebsübergangsgesetz zunächst für ein Jahr, danach wird man weitersehen. Aber ich persönlich denke nicht, dass sich für den Einzelnen durch den Übergang Nachteile ergeben werden.
Das ist mit dem DRK-Personal, das im Kreisverband bleibt? Wird es da personelle Veränderungen geben müssen?
Dadurch, dass wir seit 2009 kontinuierlich auf den heutigen Tag hinplanen konnten, sind wir in der glücklichen Lage, niemanden entlassen zu müssen, auch Stunden wurden nicht reduziert. Wir haben uns neu aufgestellt, zusätzliche Geschäftsfelder erschlossen und bestehende ausgebaut. Das sind beispielsweise der Fahrdienst, die Betreuung von Demenzkranken und der familienentlastende Dienst.
Wird es ein Abschiedsfest geben?
Aber natürlich, wir haben alle Kollegen des DRK-Kreisverbandes eingeladen, mit uns am 26. November zu feiern. Über 350 Leute werden bei diesem Höhepunkt im Ahorn eehotel Templin dabei sein. Von den Kollegen der Rettungswchen habe ich persönlich aber schon Abschied genommen bei einer Rundreise in den letzten Tagen. Jetzt sind nur noch Akten zu überreichen.
Und dann?
Dann beginnt eine neue Ära des DRK, ohne den Rettungsdienst, aber mit ganz vielen neuen Ideen und bewährten Projekten. Wir schauen nach vorn. Und ich wünsche der neuen Gesellschaft jetzt alles erdenklich Gute.
Quelle: http://www.nordkurier.de
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