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Der Professor, der zum Feuerwehrmann wurde

2011-09-12 11:29 von Redaktion

der Amerikanistik-Professor Wolfgang Hochbruck vom Carl-Schurz-Haus ist nach dem 11. September 2001 Feuerwehrmann geworden – und er forscht mittlerweile auch über die Kultur dieses Ehrenamts.

Kurz nach dem 11. September 2001 zog Wolfgang Hochbruck in ein winziges niedersächsisches Dorf. Es dauerte nicht lange, bis der Chef der Freiwilligen Feuerwehr ihn aufforderte mitzumachen. "Da fragen die ausgerechnet mich, den 42-jährigen Professor für Nordamerikastudien?", habe er gedacht. Gleichzeitig seien aber all die Bilder New Yorker Feuerwehrleute vor ihm aufgetaucht, die in die brennenden Trümmer des Word Trade Centers liefen. Er machte mit – eine Entscheidung, sagt Hochbruck heute, die sein Leben verändert hat.

"Wissen Sie, wie viele Professoren bei der Freiwilligen Feuerwehr sind?", fragt Hochbruck. "Sechs in ganz Deutschland – fünf Männer und eine Frau!" Viel zu wenig, findet er. Als Wissenschaftler interessiert ihn, warum das so ist – er forscht inzwischen auch zu Image und Haltung von Feuerwehrleuten in der nordamerikanischen und deutschen Kultur.

Hochbruck ist stellvertretender Vorsitzender des deutsch-amerikanischen Carl-Schurz-Hauses in Freiburg. Bei der Pressekonferenz, auf der das Institut sein Programm zum zehnten Jahrestag der Anschläge vorstellt, trägt der großgewachsene Mann ein blaues Hemd, auf den Kragen ist ein Wappen gestickt und der Schriftzug "Feuerwehr Denzlingen". Für Sonntag hat Hochbruck eine Gedenkstunde für die 343 Feuerwehrleute organisiert, die bei dem Angriff auf das World Trade Center getötet wurden. Er hat alle Feuerwehrleute aus Freiburg und den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen eingeladen.

Seit 2003 ist Hochbruck Professor an der Freiburger Universität. Damals zog er mit seiner Familie nach Denzlingen, ging auch dort zur Freiwilligen Feuerwehr und fragte, ob die ihn brauche: "Es gibt keine Feuerwehr, die zu viele Leute hat." Trotzdem seien die Kollegen zögerlich gewesen, erst als er sich zum Atemschutzträgerlehrgang anmeldete, glaubten sie ihm, dass er es ernst meint. "Am Anfang war ich mir auch nicht sicher, ob ich das kann", sagt Hochbruck. Er habe gedacht, er müsse Keller auspumpen und Katzen aus Bäumen retten. "Auf die blöde Katze warte ich heute noch" sagt er, dafür war einer seiner ersten Einsätze gleich ein brennender Bauernhof mit Feuer in der Scheune und eingesperrten Pferden im Stall daneben. "Zwölf Stunden später bin ich heim gekommen, sehr nass, sehr müde und sehr bescheiden."

Am 11. September seien ganze Feuerwehreinheiten blindlings in die Trümmer der Zwillingstürme gerannt. "Als Wissenschaftler sage ich: Viele von ihnen hätten nicht sterben müssen. Als Feuerwehrmann sage ich: Du hättest es auch nicht ausgehalten, nichts zu tun." Hochbruck forscht zum Habitus von Feuerwehrleuten, zu ihrer verinnerlichten Haltung, die ihr Handeln prägt. "Der Wunsch zu helfen steht im Vordergrund", sagt er. "Es ist aber auch eine technologische Ebene dabei – und eine Ebene, die das Ganze über den Klassenstatus hinaushebt."

Für Hochbruck bedeuten Feuerwehren Hoffnung. Sie könnten "zu einer Art Gradmesser für den demokratischen Umbau der Gesellschaft werden." Obwohl sie strukturell konservativ seien, könnten sie Minderheiten gut integrieren, wenn der gemeinsame Einsatz im Vordergrund steht: "Da spielt es keine Rolle, ob du Frau, Migrant oder Professor bist."

Autor: Thomas Goebel
Quelle: http://www.badische-zeitung.de

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Kommentar von Steffi | 2011-09-30

Hallo,

ein sehr schöner Beitrag der doch zeigt, dass auch Leute in höherem Alter noch auf der Suche nach sinnvollen Freizeitbeschäftigungen sind. Da ist es halt dann auch wichtig, dass die Feuerwehr auch eine entsprechende Willkommenskultur hat und nicht die neuen Bewerbwer vergrault.

Gibt es eigentlich irgendwie Ergebnisse der Studie die in der Überschrift genannten werden?

Danke

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